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Camp für Kinder im JBSZ Deutschland (2020)

Vom 12. bis 23. Oktober dieses Jahres, während der Herbstferien in Niedersachsen, fand in unserem Zentrum ein jüdisches Camp für Kinder statt.

 

Unser Zentrum hat bereits Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Feriencamps, doch dieses Jahr war es etwas Besonderes. Nicht nur, dass es trotz der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie stattfand. Auch das Thema „Judentum-Religion, Geschichte und Kultur“ war etwas Neues für uns und die Teilnehmer.

Es ist nicht einfach, ein Kind während der Ferien zum Lernen zu motivieren. Aber die Organisatoren konnten das leicht umsetzen, Aktivitäts- und Lernblöcke wechseln sich ab, so entstand kein Druck. Die Kinder hatten viel Spaß, sowohl beim Besuch des Freizeitparks als auch den Sportspielen, dem Hebräischunterricht und den vielseitigen informativen Beschäftigungen mit dem Thema Judentum.

Die Organisatorin des Camps, Projektleiterin und Sozialarbeiterin des Zentrums Inna Mezhevova erzählte von den Besonderheiten der Camp-Organisation in diesem Jahr und wie sich dieses Camp von den vorherigen unterschied:

„Dieses Camp ist bereits das dritte. Im ersten Camp ging es um die Natur, im zweiten um Sport und im jetzigen ums Judentum. Das Besondere in diesem Jahr ist, dass das Camp während der Corona-Pandemie stattfindet; wir müssen uns also streng an den Corona-Hygiene-Auflagen halten. Im Unterricht wird der Mindestabstand zwischen den Kindern sichergestellt, die Gruppen werden klein gehalten, Lehrkräfte und Schüler tragen Mund-Nasen-Bedeckungen. Das alles ist aufwändig und muss bis ins letzte Detail durchdacht werden. Die verschiedenen Ausflüge zu organisieren war schwieriger: Es muss separater Eintritt für Gruppen gebucht und ein passendes Zeitfenster gefunden werden. Das alles haben wir aber geschafft, das Programm läuft, es gab fünf Ausflüge – in den Zoo, zu Lasertag, dem Serengeti-Park, ins SeaLife und zum historischen alten jüdischen Friedhof. Wir haben die Teilnehmerzahl von 25 auf 17 reduziert, damit der Mindestabstand in den begrenzten Räumen sichergestellt werden kann. Vor der Pandemie waren zwei Lehrkräfte dabei, jetzt drei, um die Gruppengröße zu verringern. Es wird parallel unterrichtet, meist in zwei und manchmal in drei Gruppen.

In diesem Jahr war das Thema des Camps das Judentum. Heute waren wir auf dem alten jüdischen Friedhof, ein Teil jüdischer Geschichte Hannovers. Die Führung leitete ein berühmter Experte, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, der Historiker Professor Dr. Peter Schulze. In einer separaten Unterrichtsstunde erzählte er den Kindern die Geschichte der jüdischen Diaspora in Hannover. Ich denke, dass die Kinder viel über jüdische Entwicklung, Kultur, Religion erfahren haben. Auf unserem Grundstück wird zudem eine Mikwe gebaut und die Kinder sind stolz darauf. Sie wissen, welch enorme Bedeutung die Mikwe für jede Gemeinde hat.

Wir sind alle ein Team - Lehrkräfte, Madrichim, die Küche- und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Kinder hatten nicht nur Spaß, sondern haben auch viel dazugelernt. Es war nicht nur ein Spaßferienlager, es gab richtigen Unterricht. Es wechselten sich Lerneinheiten und Aktivitäten ab, dadurch brachte jeder Tag neues Wissen und positive Gefühle mit sich. Ich bin froh, dass bei allen Teilnehmern und ihren Eltern gute Erinnerungen und Eindrücke vom Camp geblieben sind. Einige Eltern wollen schon jetzt ihre Kinder für das Camp im nächsten Jahr anmelden. Ich glaube sogar, sie sind sogar zufriedener als ihre Kinder.“

Das Lehrkräfteteam leitete dieses Jahr unser hoch geschätzter Rabbiner Yohanan Yakobov. Er hat erzählt, welche Themen mit den Kindern während des Unterrichts im Camp behandelt wurden:

„Wir sprachen darüber, wie sich Juden verhalten sollen: Sei es am Tisch oder morgens in der Früh, wenn er an den Schöpfer denkt, der ihm die Seele geschenkt hat. Das Kind soll mit der Erziehung wachsen und mit Dankbarkeit. Es soll nicht alles für selbstverständlich halten. Der Schöpfer hat ihm Gesundheit, Essen und die Seele geschenkt. Das Kind soll vor und nach dem Essen Tischgebete sprechen. Außerdem haben wir über die jüdische Geschichte geredet, denn es soll sich seiner Wurzeln bewusst und mit ihnen auch verbunden sein.

Ferner wurde auch ausführlich über die jüdischen Feiertage und deren Bedeutung gesprochen. Das sollte zeigen, dass das jüdische Volk ein Vorbild für andere Völker sein muss. Wenn Völker dem Schöpfer nah sein wollen, dann sollen sie es beim jüdischen Volk abschauen, denn dieses hat eine Anleitung, die Torah, welche den Weg zeigt. Die Kinder lernten über den Schabbat, wie man singt, sich freut und die Eltern mit der Freude ansteckt. Bei uns saßen auch Kinder aus anderen Gemeinden. Ich habe deshalb versucht, das Thema möglichst allgemein zu halten. Die religiösen Gesetze des Judentums sind für alle Juden gleich, egal ob bucharisch oder nicht. Alle Juden feiern den Schabbat, Pessach, das Purim usw.

Die Kinder lernten auch, dass sich der jüdische vom gregorianischen Kalender unterscheidet. Zum Beispiel beginnt der neue Tag schon am Vorabend, wenn die ersten Sterne aufkommen.

Wichtig ist selbstverständlich, dass sie die Kaschrut-Regeln kennen, besonders das Trennen von Fleisch- und Milchprodukten.

Rebbezin Sylvie Yakobov betonte die Wichtigkeit des Gemeinschaftsgefühls für die Kinder. Sie erzählte den Camp-Teilnehmern nicht nur von bestimmten Aspekten des Judentums, sondern verband auch Unterricht mit Basteln, zum Beispiel: einen jüdischen Kalender, von den Kindern selbstgestaltet.

Hodaya Alaev ist die Jüngste aus dem Betreuerteam, sie hat trotz ihrer „nur“ 24 Jahre einen großen Erfahrungsschatz im Unterrichten von Hebräisch in der Sonntagsschule unseres Zentrums. Sie führte im Camp die Kinder zu den Grundkenntnissen der hebräischen Sprache, erklärte ihnen die Monate des jüdischen Jahres, buk mit den Kindern für den Schabbat.

„Es macht mir einen Riesenspaß, die Kinder wollen lernen, man sieht es ihnen an. Sie sind sehr liebevoll und brav. Sie kommen auch immer zu mir und sagen: ‚Ich habe das und das gelernt! ‘.“, gab Hodaya zu wissen.

Sehr wichtig: Die Betreuer wurden zuverlässig unterstützt von den Madrichim. Geleitet hat das Madrichimteam der bereits in der Jugendarbeit erprobte Eden Ailarov (18): „Dadurch, dass ich auch das Jugendzentrum leite, habe ich viel Erfahrung im Umgang mit Kindern und diese konnte ich auf das Camp übertragen. Ich finde, das Camp war sehr gut aufgebaut bezüglich der Corona-Hygieneauflagen. Es lief alles ziemlich gut, die Ausflüge waren sehr gut, sehr vielfältig, abwechslungsreich, die Kinder hatten viel Spaß dabei. Zum Beispiel waren wir einen Tag hier im Haus und hatten Unterricht und wir machten spielten Fußball und alles, was die Kinder mochten. Am nächsten Tag gingen wir zum Lasertag und tobten uns dort den kompletten Tag aus… Ich mache das sehr, sehr gerne. Ich bin zu hundert Prozent mit vollem Herzen dabei, anderenfalls wäre ich nicht hier.“

Eden bekam Unterstützung von den motivierten Madrichim Emilia Zevounou (16) und Avi Motaev (16).

„Sonntags im Jugendzentrum bin ich auch Madriha.“, erzählte Emilia, „Im Camp haben wir mit den Kindern gespielt, mit ihnen viel Spaß gehabt, dabei versucht ihnen sinnvolle Fähigkeiten beizubringen. Ich habe Erfahrungen gesammelt, wie man mit Kindern umgeht, wie man auf sie eingeht, wie man ihnen Dinge beibringt. Mir gefällt die Arbeit sehr.“

Ein wesentlicher Bereich des Camps ist auch die Küche. Die Köche unseres Zentrums verdienen jederzeit Bestnoten. Den wählerischen Ansprüchen der Kinder gerecht werden, kann bei weitem nicht jeder, aber unser Küchenteam arbeitete wie immer auf höchstem Niveau. Unter Aufsicht des Maschgiachs, d. h. unsem Rabbiner Yakobov, wurde das Menü abwechslungsreich und frisch zubereitet, natürlich unter voller Einhaltung der Kaschrut.

Chefköchin des Zentrums Ljudmila Motaeva berichtete: „Wir haben sehr gute Organisatoren. Inna Mezhevova hat das klasse organisiert, wir haben alles, was wir fürs Kochen brauchen. Wir bekommen koschere Zutaten aus einem Laden in Berlin geliefert. Das Essen wird auf die Einhaltung der Kaschrut überprüft.“

Und das dürfen wir natürlich nicht vergessen: Die Eindrücke der jungen Teilnehmer vom Camp.

Alexander (11):

„Ich war zum dritten Mal im Camp. Die Betreuer sind sehr gut und die Ausflüge machten mir jedes Mal Spaß. Mir haben die Ausflüge zum Serengeti-Park und ins SeaLife am meisten gefallen. Ich mag persönlich aber auch mehr aktive Tätigkeiten wie Achterbahn fahren.“

Melanie (13):

„Ich war vor zwei Jahren schon mal hier. Es hat Spaß gemacht, wir unternahmen viele Ausflüge und viel miteinander. Ich mochte am liebsten die sportlichen Aktivitäten und auch die Bastelprojekte, da konnten dort sehr kreativ sein. Wir haben viel über jüdische Feiertage und Traditionen erfahren. Viele Sachen waren sehr interessant.

Ester (8):

„Mir hat es am meisten gefallen, dass es im Camp viele Ausflüge gab. Die Führung über den jüdischen Friedhof war sehr interessant, ich habe alles verstanden, was dort erzählt wurde.“

Emily (9):

„Ich war zum ersten Mal im Camp. Mir haben am meisten die Freizeitparks und Lasertag gefallen.“

Alle Kinder, Eltern und Organisatoren bestätigen, dass das Camp ein voller Erfolg war. Ein wichtiges und erreichtes Ziel war die Erweckung und Entwicklung des Interesses der Kinder am Judentum, der jüdischen Kultur und den Traditionen. Dank des erworbenen Wissens näherten sich die Campteilnehmer den Wurzeln ihrer Identität. Aufgrund dieser guten Erfahrung plant das Zentrum ein weiterführendes Camp, bei dem das Augenmerk wieder auf die jüdische Religion und Geschichte gerichtet ist und die Lerninhalte auf dem in diesem Jahr vermittelten Wissen aufbauen.

In den erhaltenen Feedbacks lobten die Kinder vor allem die gute Organisation, die tollen Ausflüge, das leckere Essen und den Unterricht, den sie leicht verstehen konnten. Von der Organisation der „Pausen“ mit sportlichen Outdoor-Aktivitäten waren die Kinder genauso begeistert.

Den Eltern gefielen besonders der sorgfältig geplante Ablauf und die rigorose Einhaltung der Hygienevorschriften. Sie betonten ihre Zufriedenheit damit, dass ihre Kinder jetzt mehr über das jüdische Leben, Kultur, Religion und Feiertagen wissen. Das alles hilft der Integration der religiösen Bräuche und Traditionen in den deutschen Alltag.

Es ist zu betonen, dass die Organisation und der Ablauf nicht nur von den Teilnehmern und ihren Eltern selbst hoch bewertet wurden: Die ganze Gemeinde beobachtete in der WhatsApp-Gruppe „Bucharian Chat“ die Arbeit des Camps. Durch tägliche Berichte zum Unterricht und den Ausflügen, die von Fotos und Kommentaren begleitet waren, konnten Eltern verfolgen, womit sich ihre Kinder beschäftigten und was es zum Essen gab. An die Organisatoren und Betreuer wurden viele warmherzige, dankende Worte ausgerichtet, die der stellvertretende Vorsitzende des Zentrum Michael Krebs zusammengefasst hat: „Wir sind sehr, sehr stolz auf solch einen gemeinsamen, frischen und jüdisch selbstbewussten Weg. An Rebbe, Rebbetzin, Inna, Hodaya sowie alle Madrichim: Col ha kavod!“

Gelesen 1362 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 04 November 2020 10:59
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